Kehl-Leutesheim. Die Leutesheimer Bürger geben keine Ruhe: Sie sind mit dem Beschluss vom Ortschaftsrat, Tempo 40 in der Badener Straße einzurichten, nicht zufrieden. Sie haben jetzt noch mehr Unterschriften vorgelegt. »Wasch mich, aber mach mich nicht nass«: So empfinden die Anwohner der Badener Straße den Beschluss ihres Ortschaftsrates vom Mai dieses Jahres. Damals hatte das Gremium beschlossen, bei der Stadtverwaltung ein Tempolimit von 40 km/h auf der gesamten Ortsdurchfahrtsstraße durchzusetzen. Schon im Mai gab es deswegen Tumulte im Ortschaftsrat. Aufgebrachte Bürger hatten vor der Sitzung eine Liste mit über 100 Unterschriften eingereicht. Die gemeinsame Forderung: Tempo 30 in der Badener Straße mit stationärem Blitzer, die Ausleitung des Schwerverkehrs auf die Edf-Straße sowie die Instandsetzung des Straßenbelags.

Aus ihrer Enttäuschung, dass sich der Ortschaftsrat mit großer Mehrheit für Tempo 40 und nicht für Tempo 30 ausgesprochen hat, machten die Bürger damals keinen Hehl. Sie können noch immer die Meinung ihrer politischen Vertreter nicht nachvollziehen und fühlen sich als »Bürger zweiter Klasse« behandelt. Vor der Ortschaftsratsitzung am Montagabend legten sie mit weiteren 19 Unterschriften nach.

Die Ratsmitglieder zeigten sich jedoch unbeeindruckt. »Der Ortschaftsrat hat das so entschieden«, verwies Rathaus-Chef Heinz Faulhaber (SPD) auf die Sitzung vom Mai. Er beteuerte, dass man dieses Thema sehr ernst nehme und dass das Gremium daran arbeite, »eine gute Lösung für alle, die an dieser Straße wohnen, zu finden«. Beschwichtigen konnte er die »Litzmer« Bürger damit nicht. »Wir haben euch gewählt, damit ihr in unserem Sinne entscheidet«, monierte einer der Organisatoren der Unterschriftensammlung. Er konfrontierte den Rat mit der Behauptung, dass nur die Mitglieder selbst „und einige andere« der Meinung seien, dass Tempo 40 die beste Lösung sei. Dagegen verwehrte sich Heinz Faulhaber: »Sie dürfen nicht glauben, dass Ihre Meinung alleingültig ist«, sagte er. Und: »Der Beschluss steht.«

Sein Gegenpart gab sich damit nicht zufrieden: »Aber wir sind 220 und ihr seid nur acht«, konterte er. Faulhaber verwies auf die anstehende Verkehrsschau im Oktober, bei der Vertreter von Landratsamt, Polizei, Schule und Stadtverwaltung vor Ort sein werden, um sich ein Bild von der Lage zu machen und Lösungsansätze zu diskutieren. „Auch alle Bürger sind ganz herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen«, sagte er.

Über die genaue Zahl der Tempo-30-Befürworter in Leutesheim herrscht Unklarheit. In der Ortschaftsratsitzung vom Mai war von 198 Unterschriften die Rede. Zusammen mit den 19 neuen würde sich die Zahl auf 217 erhöhen. Nach Abgleich der Listen, die der Ortsverwaltung gestern vorlagen, haben bisher 145 »Litzmer« für Tempo 30 unterschrieben. Sowohl Ortsverwaltung als auch die Initiatoren der Unterschriftensammlung haben demnach bereits im Mai einige Bürger doppelt gezählt. Oder eine der Listen ist verschwunden – eine Möglichkeit, wie sie Fritz Heidt, einer der führenden Köpfe der Tempo-30-Initiative, durchaus in Betracht zieht. Er kündigte an, dass die Bürger demnächst mit Straßenblockaden ihren Forderungen Nachdruck verleihen wollen.

Text: Antje Ritzert/red
Symbolfoto: Marco Karch