Kehl-Leutesheim. „Warum geht Zone 30 in Goldscheuer, in Marlen, in Bodersweier und überall – nur bei uns nicht?“, wollten mehrere Bürger auf der Ratssitzung von Ortsvorsteher Heinz Faulhaber wissen. Sie hatten am 26. April bei der Ortsverwaltung eine Liste mit vier Forderungen eingereicht, die 198 Bürger unterschrieben haben. Ganz oben auf der Liste steht laut Faulhaber das Verlangen nach einem stationären Geschwindigkeitsmesser am Ortseingang. Danach folgt „ in der Badener Straße“, „die Ausleitung des Schwerverkehrs auf die Edf-Straße“ sowie „die Instandsetzung des Straßenbelags auf der Badener Straße“.

„Wir nehmen diese Forderungen sehr ernst“, beteuerte Faulhaber am Montagabend. Der Ortschaftsrat habe sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und wolle sich bei der anstehenden Verkehrsschau für eine Tempo-40-Zone in der Badener Straße und einen stationären Blitzer starkmachen. „Das Freiwillig-40-Schild hat nicht den erwarteten Erfolg gebracht“, sagte er. Zwar laufe die Auswertung der Messungen noch, die aufgrund der Bürger-Beschwerden in der Badener Straße durchgeführt wurden. Ebenso sei eine Verkehrszählung angeordnet worden. „Wir sind uns im Ortschaftsrat aber einig, dass nur eine stationäre Blitzanlage eine Verbesserung bringen wird“, sagte Faulhaber. Es müsse allerdings noch geprüft werden, ob in den Landesvorschriften die Möglichkeit einer 40er-Zone gegeben sei, schränkte Faulhaber ein. „Falls nicht, wird sich der Ortschaftsrat für eine Zone 30 einsetzen, mit stationärem Blitzer“, versprach er.
Mit dieser Antwort waren einige Bürger nicht zufrieden: „Warum nicht gleich Zone 30?“, fragte einer von ihnen auf der Sitzung. Da Faulhaber die Bürger mit seiner Aussage, der Ortschaftsrat hielte 40 für einen guten Wert, nicht zufriedenstellen konnte und Ortsrätin Kathrin Schütterle (Freie Wähler) auch noch dazwischengrätschte, dass sie selbst in der nichtöffentlichen Sitzung für eine Zone 30 gestimmt habe, kochten die Emotionen über.

Hans Baas (SPD) erläuterte, warum er persönlich eine Tempo-40-Zone vorzieht: „Ich muss jeden Tag von Lahr nach Litze. Wegen der leidigen A5-Situation fahre ich über die L75 und muss durch fünf Ortschaften mit Tempo 30 durch.“ Und wenn ihn jetzt noch jemand frage, warum er das nicht wolle, dann sei das „ganz schlimm“. Diese Aussage brachte das Fass erst recht zum Überlaufen: „Das ist reiner Eigennutz, das hat mit dem Bürger gar nichts zu tun“, bellte es aus dem Publikum. „Schämen Sie sich!“

Öl ins Feuer goß auch Ortsrätin Margot Wohlbold-Melet (SPD): „Die Ehrlichkeit verlangt, dass man sagt, die Instandsetzung der Badener Straße kann garantiert nicht in diesem Jahr oder im nächsten Jahr stattfinden.“ Man habe jetzt 155 000 Euro im Haushalt stehen und müsse sich darüber im Klaren sein, dass man „mit diesem Kleckerbetrag keinen Straßenbelag erneuern“ könne, so Wohlbold-Melet. Und noch einen anderen Zahn zogen die Mitglieder des Ortschaftsrats den Bürgern: „Wir haben überhaupt keinen Hebel hier, um auch nur einen einzigen Lkw auf die Edf-Straße zu bringen, wenn das nicht im Rahmen des Kehler Lenkungskonzepts passiert oder irgendeine übergeordnete Stelle was macht“, sagte Hans Baas. „Uns sind da die Hände gebunden.“ Er appellierte an die Bürger und Ortschaftsrat-Kollegen, in Sachen Verkehrsberuhigung oder Erneuerung des Straßenbelags nicht nachzulassen und massiv Druck auf die Stadt aufzubauen. „Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn wir da nicht ständig reklamieren und meckern, kriegen wir nichts“, sagte er.

» Die Auswertung der Geschwindigkeitsmessungen am Fahrbahnteiler
Ortsvorsteher Heinz Faulhaber stellte auf der Ratssitzung die Ergebnisse der Geschwindigkeitsmessungen am nördlichen Ortsausgang vor. Sie fanden vom 18. Juli bis 19. August vergangenen Jahres statt. Gemessen wurden drei verschiedene Fahrzeugkategorien. Faulhaber bemängelte, dass die Auswertung keine Spitzengeschwindigkeiten auflistet. Angegeben werden unter anderem die mittleren Geschwindigkeiten der jeweiligen Kategorien. So liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Pkw’s, Kleintransportern und Motorrädern beispielsweise aus Richtung Honau kommend bei etwa 45 km/h. 15 Prozent der Kfz fahren dort schneller als 53 km/h. Aus dem Ort heraus fahren diese Kfz mit einer mittleren Geschwindigkeit von etwa 50 km/h. Von ihnen sind rund 15 Prozent schneller als 60 km/h. Im Durchschnitt fuhren täglich etwas mehr als 1000 Fahrzeuge jeweils in beiden Richtungen während der Messperiode am Fahrbahnteiler vorbei. Umgerechnet heißt das, dass zirka 300 Fahrzeuge pro Tag an dieser Stelle zu schnell sind. „Wir werden bei der Stadtverwaltung die Spitzengeschwindigkeiten der einzelnen Gruppen nachfragen“, versprach Heinz Faulhaber.

Text/Foto: Antje Ritzert