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Anstelle dieser provisorischen Brücke soll am Leutesheimer Gießelbach ein fachgerechter Holzsteg entstehen. Zuvor sollen ökologische Untersuchungen stattfinden, für 17 000 Euro.

Ortschaftsrat Leutesheim stimmt Auftragsvergabe erzürnt zu

Für 800 Euro hat die Stadt Kehl eine kleine Holzbrücke erworben. Sie soll eine bestehende Brücke über den Gießelbach in der Nähe des Gasthauses »Löwen« ersetzen. Ein kleines und kostengünstiges Projekt, könnte man glauben.

Die Baumaßnahme am südwestlichen Ortsrand wird allerdings auch aufgrund eines Gutachtens rund 40.000 Euro kosten. Das sorgte für reichlich Ärger im Leutesheimer Ortschaftsrat. Thema war dort am Montagabend die Beschlussfassung für eine Auftragsvergabe im Wert von 17.000 Euro. Bezahlt werden sollen damit ökologische Untersuchungen durch ein Fachbüro.

Der Ortschaftsrat hat mit dem kleinen Anliegen eine offensichtlich große Aktion ins Rollen gebracht. Denn die von dem geplanten Vorhaben betroffene Fläche liegt im Natur- und Landschaftsschutzgebiet »Westliches Hanauerland«. Aufgrund dessen sind eine Reihe naturschutzrechtliche Untersuchungen durchzuführen. Damit soll ausgeschlossen werden, dass das Naturschutzgebiet, dort lebende Tiere oder deren Lebensstätten durch die Maßnahme beeinträchtigt werden. So jedenfalls lautet die Begründung in der Vorlage des städtischen Grünflächenmanagements. Je nach Ausgang der artenschutzrechtlichen Vorprüfung kann sogar eine spezielle Prüfung notwendig werden. Damit würde das Vorkommen bestimmter Tierarten und deren Habitatnutzung detaillierter betrachtet.

Damit die Folgen des Eingriffs in die Natur auch tatsächlich so gering wie möglich gehalten werden, sei ebenso eine entsprechende Kontrolle der Bauausführung erforderlich. Bei dieser ökologischen Baubegleitung wird das Ergebnis der Überwachung protokolliert und zu einem Endbericht aufbereitet. Das Ganze kostet rund 17 000 Euro.

Starker Tobak für die Mitglieder des Ortschaftsrats. »Ich hielt das anfangs für einen verfrühten Aprilscherz«, sagte Ratsmitglied Hans Baas. Auch Mike Kleinmann kann die Sinnhaftigkeit der ökologischen Untersuchungen nicht verstehen. Zumal direkt neben der geplanten Brücke ein städtisches Abwasserhebewerk steht. Dessen Zugangsfläche wurde vor einigen Jahren für das Befahren durch LKW befestigt, ohne naturschutzrechtliches Gutachten.

Um den Bau der kleinen Fußgängerbrücke letztendlich nicht zu blockieren, stimmten die Ratsmitglieder doch noch für die Auftragsvergabe. Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung.

Text/Foto: Jürgen Preiß

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