Das Jahreskonzert des Musikvereins »Harmonie« Leutesheim ist ein gesellschaftliches Ereignis, das deutlich über die Ortschaft hinaus strahlt. Die Bläser des Orchesters sind bekannt für ihr Können, hinzu kommt das Ansehen des Dirigenten Dieter Baran.

Kehl-Leutesheim. Vereins-Vorsitzender Mario Hauß brachte es auf den Punkt: »Dieter, du hast eine Eselsgeduld und bist immer gut gelaunt. Wir sind froh, dich zu haben.« In der Tat, Baran hat in diesem Jahr zum 42. Mal ein vielfältiges Programm zusammengestellt und die letzten sechs Monate geduldig mit den 55 Musikern und Solisten geprobt.

Die knapp 300 Plätze in der Gemeindehalle waren fast alle besetzt. Zwischen beiden Konzerthälften gab es Gelegenheit für angeregte Plaudereien und neue Bekanntschaften. »Ich bin vor einem Jahr hierher gezogen und nutze diesen Abend auch, um Menschen kennenzulernen«, sagte eine Leutesheimerin.

Musikalisch wurde in einem ersten Teil an die Zerschlagung der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« der Geschwister Scholl gegen das Nazi-Regime gedacht. »Baran setzt gern politische Akzente. In den Medien habe ich bisher nichts über den Jahrestag der Weißen Rosegesehen oder gehört. Heute bin ich beeindruckt über die musikalische Umsetzung dieses Themas«, sagte ein langjähriger Besucher des Jahreskonzerts.

Am 22. Februar 1943, vor 75 Jahren, wurden Hans und Sophie Scholl zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tag hingerichtet. »Es lebe die Freiheit«, waren die letzten Worte Hans Scholls.

Baran den Tränen nah
Emotionaler Höhepunkt war zweifellos »Das Geheimnis der Weißen Rose« des österreichischen Komponisten Otto M. Schwarz (*1967). »In der Partitur sind die einzelnen Etappen der Gruppe verzeichnet, von ihrer Gründung, ihren Aktionen in München, bis zu ihrer Entdeckung und Zerschlagung. Bei den Proben sind den Musikern fast die Tränen gekommen«, erzählte Baran.

Als Solisten bei traditioneller jüdischer Volksmusik überzeugten der Geiger Wolfgang Schwarzmüller und Anja Stutz am Vibrafon. Die Bläser brachten bei der Oskar-prämierten Filmmusik von »Exodus« (Otto Preminger 1960) ihre versammelten Talente voll zum Ausdruck – Posaune, Hörner, Trompeten, Klarinetten, Flöten, Saxophon, Pauken, Becken, Schlagzeuger und Tuba – kein Wunder, diese Melodien hatte fast jeder im Ohr.

Die Moderatorin Lana Matejka führte sachkundig durch den Abend und wusste über jedes Stück interessante Details zu berichten. Im lockeren und beschwingten zweiten Teil überzeugten als Solisten Sascha Wiehn an der Bassposaune, Christian Halbelt mit seinem Tenorhorn und Simone Hauß am Saxophon. Sie spielte »Purple Rain« des verstorbenen US-Sängers Prince. Gast der »Harmonie« war der Sänger Philipp Le Provost. Nach dem kubanischen Mambo-Beat »Tequila« wollte der Beifall nicht enden. Erst die Zugabe mit einem weiteren Lied mit Le Provost setzte den Schlusspunkt.

Text: Petra Klingbeil
Fotos: Isabell Schmager