Kehl-Leutesheim. »Flitze für Litze – der freundliche Fahrdienst für mobilitätseingeschränkte Menschen aus Litze« geht am 1. Januar an den Start. Die Probephase des Projekts ist bereits erfolgreich angelaufen. Wer möchte nicht so lange wie möglich im eigenen Haushalt leben? Aber was tun, wenn der Rücken zwackt und die Füße nicht mehr so richtig wollen? Wer Glück hat, wohnt in der Stadt und hat Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte direkt vor der Haustür. Doch den Bewohnern auf dem Dorf ist ein eigenständiges Leben ohne Hilfe von Familie und Freunden kaum möglich – es sei denn, der Geldbeutel ist groß genug, um sich für jede Kleinigkeit eine Taxifahrt in die Stadt leisten zu können.

Die Kirchgemeinde Leutesheim hat deshalb das Projekt „Flitze für Litze“ ins Leben gerufen. Es soll älteren Menschen, die zwar im eigenen Haushalt leben, aber längere Strecken nicht mehr zu Fuß bewältigen können, das Leben erleichtern. „Uns geht es um diejenigen, die selbst mit dem Bus schon überfordert sind“, sagt Manuela Hummel. Hummel ist Mitglied des Kirchgemeinderats und hat die Organisation des Projekts übernommen. Das Prinzip ist einfach: Ehrenamtliche Helfer fahren die betagten Bürger kostenlos zum Arzt, zum Einkaufen, zur Apotheke, Post, Bank oder wohin auch immer. Der Bedarf wird vorher telefonisch bei Hummel angemeldet – und diese teilt die Fahrer dann ein. „Ich gucke natürlich, was ich zusammenlegen kann“, sagt sie. „Denn schließlich möchte man ja der Umwelt auch noch was Gutes tun.“

Dass es einen Bedarf in „Litze“ gibt, davon ist Manuela Hummel überzeugt: „Wir haben sehr viele über 80-Jährige, die in ihren eigenen vier Wänden wohnen und die alle daran interessiert sind, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben.“ Man fange jetzt mit dem Fahrdienstangebot klein an. „Aber ich stelle mir vor, dass das ein Start sein kann, die Unterstützung auch wachsen zu lassen“, so Hummel. Dabei wolle man weder dem Pflegedienst noch den Taxiunternehmen oder einem anderen Gewerbe in die Quere kommen, betont die 51-Jährige. „Darum haben wir den Fahrdienst auch auf das Kehler Stadtgebiet und Rheinau-Linx begrenzt“, erklärt sie.

Seit Anfang Dezember läuft die Pilotphase: „Ich hatte mir gedacht, dass es vielleicht ganz wichtig ist, den älteren Menschen noch vor Weihnachten die Gelegenheit zu geben, unabhängig von Familie einkaufen gehen oder was besorgen zu können. Denn in dieser Zeit steht ja meistens doch mehr an als das Jahr über“, sagt Hummel. Etwa acht Fahrten habe es bereits gegeben. „Ich stelle mir vor, dass ich einen Pool von mindestens 20 Fahrern bekomme“, rechnet sie aus. Denn die meisten Helfer stünden zeitlich nur mit Einschränkungen zur Verfügung. Hummel ist auf dem besten Weg, ihr Ziel zu erreichen: Elf Ehrenamtliche stehen bereits in den Startlöchern.

„Sie erbringen den Dienst, den der Bus nicht leisten kann“, beschreibt Hummel deren Aufgabe. Also die Fahrt von Haustür zu Haustür. „Es ist ja ganz klasse, dass sich das Busnetz jetzt schon etwas geschlossen hat“, sagt sie. Aber für ihre Zielgruppe sei selbst der Weg von zu Hause an die Bushaltestelle oder von der Bushaltestelle in Kehl zum Arzt eine große Hürde: „Diese Leute haben einfach nicht mehr die Puste und die Kraft, um das zu bewältigen.“

Offizieller Start von „Flitze für Litze ist der 1. Januar. Träger des Projekts ist die Kirchgemeinde Leutesheim, mit Unterstützung des DRK-Ortsverbands und der „Litzemer“ Ortsverwaltung. Der Mitgliedsbeitrag kostet 15 Euro im Jahr. Um eine Fahrt zu buchen, muss man zwar nicht Mitglied werden. „Aber wir legen es den Senioren nahe, um dadurch das Projekt am Leben zu halten“, sagt Hummel.

„Flitze für Litze“
Ansprechperson: Manuela Hummel
Sprechzeiten: Montag 11 bis 12 Uhr sowie Mittwoch 8:30 bis 9:30 Uhr (im Rathaus Leutesheim)
Tel.: 0178 323 79 38

Text/Foto: Antje Ritzert