Regierungspräsidium berichtet bei Bürgerversammlung in Honau. Rund 250 Interessierte nahmen am vergangenen Montagabend in Honau an der Info-Veranstaltung zum Thema Grundwasseranstieg teil. Eingeladen hatten das Regierungspräsidium (RP). Mit dabei war auch das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA).
Was wurde berichtet?
Viel, aber inhaltlich recht wenig. Die Behördenvertreter informierten darüber, dass das Land nun ein Gutachten beauftragen will. Das soll die Ursachen beleuchten. Mit Ergebnissen ist aber erst im nächsten Jahr zu rechnen. Der Grundwasseranstieg wird seit 2019 festgestellt. Betroffen sind die Ortschaften Leutesheim, Honau und Diersheim. Im Jahr 2024 wurde eine Expertenkommission gegründet mit Vertretern von RP, Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), Landratsamt Ortenaukreis und WSA Oberrhein. Zusätzlich hat der Landeserdbebendienst des RP die Gruppe unterstützt.
Was ist die Ursache des Anstiegs?
Am Montagabend gab es keine näheren Infos zu möglichen Ursachen. Nur so viel: Der Grundwasseranstieg hängt mit dem Rhein zusammen. Der drückt wohl in das Grundwasser. Warum ist bisher unklar. Ein Grundwasseranstieg wird auch unterhalb der Staustufe Iffezheim beobachtet. Das WSA berichtete über Untersuchungen der Rheinsohle und der Abflussmengen im Rhein. Allerdings ergaben sich keine nennenswerten Auffälligkeiten. Nur so viel: Der Grundwasserstand hat seine Spitzen stets in der Sommerzeit. Auch für dieses Phänomen hatten die Vortragenden am Montagabend keine Erklärung. Aktuell zeige sich der Grundwasserstand stabil auf hohem Niveau.
Kamen interessante Wortmeldungen aus dem Publikum?
Ja, die kamen. Ein Einwohner aus Rheinau berichtete, dass er in den 1970er Jahren am Bau des Rheindamms beteiligt war. Sein Arbeitgeber aus München hat in den Damm eine 8 Meter tiefe Dichtwand mit elastischen Eigenschaften eingepresst. Er äußerte die Vermutung, dass diese Dichtwand mittlerweile Schaden genommen hat. Aus dem Publikum zu Wort meldete sich ebenso Dr. Karl Kast, ein Spezialist für die Überprüfung von Stauanlagen. Er sagte, dass das seinerzeit verwendete Material zur Ausbildung einer Dichtwand mittlerweile gravierende Schwächen aufzeige. Er könne sich vorstellen, dass die Grundwasserprobleme im Zusammenhang stehen mit diesem Dichtband, das heute seine Funktion nicht mehr wahrnehme. Die Wortmeldung wurde von RP und WSA registriert. Eine direkte Stellungnahme gab es nicht.
Was sagen Bürgermeister und Ortsvorsteher?
Rheinaus neuer Bürgermeister Christian Francken bemängelt den Zeitverlust in einer brisanten Angelegenheit. Das Problem bestehe seit 2018. Positiv sei, dass die Behörden die Ernsthaftigkeit des Themas nun offensichtlich erkannt haben und heute mit viel Präsenz nach Honau gekommen sind. Honaus Ortsvorsteherin Annette Fritsch-Accar forderte, nun alle Hebel in Bewegung zu setzen. Die Bürger hätten mittlerweile viel Vertrauen in die Behörden verloren. Ihr Leutesheimer Kollege Heinz Faulhaber zeigte sich enttäuscht, dass an diesem Abend noch kein Plan vorgelegt werden konnte, der zeigt, wie es nun weitergehen kann. Er hätte sich von dieser Veranstaltung mehr erwartet.