Kehl-Leutesheim. Seit vielen Jahren spielt Heinz Faulhaber das erste Tenorhorn in der kleinen Kapelle des Linxer Musikvereins. Jetzt spielt er die erste Geige im Rathaus von Leutesheim – eine Rolle, die er sich schon immer gewünscht hat. „Mich zieht’s dahin, wo viel Grün ist“, sagt Faulhaber – ein Satz, der auch von Ex-Rathauschef Ernst Kleinmann hätte stammen können. Der alte und der neue Leutesheimer Ortsvorsteher ähneln sich in vielen Dingen: Wie Kleinmann ist auch Faulhaber ein bodenständiger, naturverwurzelter und geselliger Mensch. Beide genießen es, wenn sie ihre Familie und ihre „Viecher“ – bei Faulhaber sind das Schafe, Gänse, Enten und Hühner – um sich haben. Und beide sind sie musikalisch: Kleinmann singt gern, Faulhaber bläst mit Hingabe das Tenorhorn. Dass Heinz Faulhaber in die Fußstapfen von Ernst Kleinmann getreten ist, zeigt: Die „Litzmer“ setzen gern auf Altbewährtes.

Seit vielen Jahren schon engagiert sich Faulhaber in der Kommunalpolitik. Und genauso lange hatte er schon Ambitionen für das Amt des Ortsvorstehers. „Aber das war für mich nie eine Frage gewesen, gegen Ernst Kleinmann zu kandidieren“, sagt er. „Außerdem hatte Ernst immer wesentlich mehr Stimmen als ich bekommen.“ Stattdessen saß Faulhaber jahrelang im Stadtrat und im Kreistag, wo er auch diese Legislaturperiode wieder einen Sitz ergattert hat. „Politik war schon immer ein Thema bei mir“, sagt der 61-jährige

Maschinenbautechniker, der 1991 der SPD beigetreten ist. „Aus eigenen Stücken“, wie er betont. „Nicht wie das heute so ist, wo man die Leute anspricht: ‚Hör mal, du passt doch gut bei uns rein. Willst du nicht eintreten?’ Bei mir war das anders. Ich habe mir die Partei gesucht – und nicht sie mich.“

Aufgewachsen ist Faulhaber, der seit elf Jahren als Walzwerkkonstrukteur bei den Badischen Stahlwerken arbeitet, im benachbarten Linx. Vor 35 Jahren zog er nach Leutesheim: „Die Litzemer haben einen ganz eigenwilligen Charakter. Aber sie halten zusammen, wenn’s drauf ankommt.“ Das gefällt ihm. Von Leutesheim fortzugehen, würde ihm nie in den Sinn kommen. Offen für die weite Welt ist Faulhaber trotzdem. Wenn er zum Beispiel mal ein halbes Jahr „Ortsvorsteher-Verbot“ hätte und auch nicht arbeiten gehen dürfte, würde er eine Rundreise machen: „Ganz allein, egal wohin, völlig ungeplant, vielleicht sogar mit dem Fahrrad.“ Andere Kulturen faszinieren ihn: „Vor allem die Menschen, die ganz andere Probleme haben als wir“, sagt er.

Seit er aus dem Urlaub in Bolivien zurückgekommen ist, träumt er davon, sich ein paar Alpakas in den Garten zu stellen. „Aber da streikt meine Frau“, sagt er augenzwinkernd. Besonders mag er an den Tieren deren Haltung: „Die haben so etwas Anmutiges, und Stolzes, und sind so gar nicht aggressiv.“ Die sanftmütigen Vierbeiner passen gut zu Faulhaber, der sich selbst als einen Menschen beschreibt, der „Harmonie sucht“. Nicht nur beim Musizieren, sondern auch in der Politik: „Das ist jetzt erst mal mein großes Ziel im Ortschaftsrat, nach diesem halben Jahr Wahlkampf, dass wir alle wieder zusammen an einem Strang ziehen.“

Seine Schwerpunkte will Faulhaber in der Leutesheimer Verkehrsstruktur setzen. Die Abstufung der B36 und das damit möglicherweise verbundene höhere Verkehrsaufkommen bereitet ihm Sorgen: „Die Ortsmitte ist nicht sehr sicher“, sagt er. Das will er ändern. Auch die Schulentwicklung ist ihm ein wichtiges Anliegen. So kann er sich zum Beispiel eine Ganztagesbetreuung vorstellen: „Wir haben in Litze eigentlich sehr gute Bedingungen, um so etwas anzubieten.“

Text: Antje Ritzert